Mystische Begegnungen beim Schwimmen mit Walen 

Am Riffgürtel vor Tongatapu sichtete unser Guide in weiter Ferne Action, d.h. „Breaches“, Sprünge von Buckelwalen, die kilometerweit zu sehen sind. An sich nichts Ungewöhnliches in den Gewässern der 170 Inseln des Königreichs Tonga, zumindest in der Zeit von Juli bis Oktober.
Nach einiger Zeit des Fahrens erreichten wir den Ort des Geschehens, sichteten Buckelwale und machten uns fertig für das Schwimmen mit Walen: Shorty, Maske, Flossen und natürlich Kamera. Es ist kaum vorherzusehen was ein „Wassergang“ bringt. Schon nach kurzer Zeit war klar: Hier geht was!

Im Wasser erlebten wir ein einzigartiges Spektakel mit zuerst 6 und dann 4 Buckelwalen in verschiedenen Größen von 12-15 Metern Länge und 35-40 Tonnen Lebendgewicht. Aus nächster Nähe, manchmal respekteinflößend nahe, konnten wir sie bei „Loops“ und „Pirouetten“ beobachten.
Fast schon entfesselt, sich immer wieder drehend, kommt es uns so vor wie die Aufforderung: „Komm, tanzt mit uns“!

Buckelwale unter Wasser

Zwei Buckelwale laden zum Wassertanz ein…

Mana berichtet: „Zwei kamen auf mich zu geschwommen, mit ausgebreiteten Flippern sahen sie aus wie Flugzeuge im Landeanflug, fünf Meter vor mir stellten sie sich vor in ihrer ganzen Größe auf, zeigten den weißen Bauch und drehten Pirouetten. Einer von den beiden kam dann mit seinem Flipper so nahe an mir vorbei – ich hätte diesen küssen können (leider haben sie viele, scharfe Seepocken). Diese Szene erschien mir vor Monaten im Traum, bevor wir mit den Buckelwalen in der Dominikanischen Republik schwammen: Den Flipper eines Buckelwals küssen!
Es ist eigentlich unbeschreiblich, was in den 1-2 Stunden, in dieser gefühlten Ewigkeit im Wasser, passierte. Selbst jetzt noch, wirken und arbeiten die Erlebnisse in mir auf geheimnisvolle Weise. Eigentlich wüsste ich auch gern, was die Buckelwale dachten oder wie sie die Begegnung mit uns Menschen erlebten…“

Zarte Bande
Viele verschiedene Situationen durften wir mit den Meereswesen – beim Schwimmen mit den Walen – erleben. Einige Mal trafen wir Walmütter mit ihren Kälbern. Oft habe ich mich beim Whale Watching gefragt, was machen die jetzt da unten? Für mich ist es ein Geschenk diesen Blick unter die Meeresoberfläche werfen zu dürfen und die taktile Zärtlichkeit zwischen Mutter und Kalb zu erleben.

Buckelwal Mutter und Kalb beim Schwimmen mit Walen

Ein verspieltes und neugieriges Buckelwal Kalb

Wenn das Kalb noch eher jünger ist (vielleicht 4 Wochen alt), dann ruht es sich häufig auf der Mutter aus. Diese entspannt sich oft in den Riffzonen, d.h. sie liegt einfach auf dem Grund bis zum nächsten Atemzug ca. eine Viertelstunde später. Das junge „Baby“ liegt auch zeitweise unter ihr, so dass man sie von oben als ein Wesen wahrnimmt.

Erste Entdeckungsreisen
Wenn das Kalb schon etwas älter ist (vielleicht 8 Wochen alt), ist es deutlich aktiver und agiler und traut sich auch schon mal allein mit Menschen zu spielen und diese mysteriöse Spezies zu erkunden und zu entdecken. Das Kalb kann noch nicht solange wie seine Mutter die Luft anhalten, taucht deswegen öfter auf. Und hat vermutlich mehr „Hummeln“ im Hintern als seine Mama, die mit ihren Kräften gut haushalten muss. Sie hat vor kurzer Zeit geboren, säugt ihr Walbaby und hat dabei nichts zu fressen, d.h. lebt von ihren Fettreserven. Klar, dass diese Powernaps, die sie am Grund des Riffs einlegt, zwingend notwendig sind.

Buckelwal Kalb beim Sprung

Springendes Buckelwal Kalb

Aufmerksame Mutterliebe
Mama hat jederzeit alles im Blick, denn die Buckelwale haben einen großen Winkel, in dem sie mit ihren Augen sozusagen alles im Blick haben können. Das Kalb ist wie alle kleinen Wesen neugierig und verspielt. Dabei kommt es Menschen manchmal echt nah!
Wenn die beiden weiter ziehen, schwimmt das Kalb manchmal auf der Mutter oder auch seitlich neben ihr. Das hat zwei Vorteile: Einmal gibt es eine Strömung, so dass das Kleine mitgezogen wird und selbst weniger Kraft aufwenden muss und zweitens sieht es aus der Entfernung wie ein großer Wal aus und ist ein Schutz vor Hai- und Schwertwal-Attacken.

Wal-Yoga?
Was wie Wal-Yoga anmutet, ist eine sinnvolle und nützliche Einrichtung der Evolution. Manchmal liegt das Weibchen auch Kopf-nach-unten im Kopfstand. Minutenlang. Dann schaut nur die Schwanzflosse aus dem Wasser. Das Kleine wuselt um sie herum und es scheint so zu sein, dass es eine gute Position für das Kalb ist, um von der nahrhaften und fetthaltigen Milch zu trinken.

Wal im Kopfstand zeigt Fluke

Minutenlang steht das Muttertier senkrecht im Wasser , nur ein Stück der Fluke ist zu sehen

Interessant für mich ist, dass ich jederzeit das Gefühl habe, dass die Wale immer wissen, wo wir sind und auch die Entfernungen in jedem Moment genau berechnen können. Was ich mir persönlich mit diesen langen Flippern nicht so einfach vorstelle! Doch die Erfahrung zeigt, dass es nie zur Berührung kommt, auch wenn sie manchmal sehr nah (Uiuiuii!) kommen. Einem befreundeten Unterwasserfotografen passierte es sogar, dass der vorbeischwimmende Wal die Brustflosse etwas einklappte, damit er oder sie ihn nicht berührte, während er fotografierte.

Buckelwal klappt die Spitze seiner Brustflosse ein, damit der Schwimmer nicht berührt wird

Der Wal klappt den Flipper ein…

Wichtig in allen Situationen mit Delfinen und Walen: Respekt. (Whale Watching – eine ethische Frage?) Wir sind zu Gast und die Meeressäuger bestimmen die auch beim Schwimmen mit Walen die Intensität des Kontaktes in jeder Hinsicht.

Magische Momente
Wir berichten hier von den Highlight – Momenten, denn Whale Watching wie Whale Swimming braucht viel Einsatz und Geduld. Oft ist es einfach auch so, dass wir die wunderschönen Wesen unter Wasser an uns vorbeiziehen sehen.

Buckelwal unter Wasser

Buckelwal vor Moorea in der Riffzone

Ein fantastischer Anblick! Vor Moorea zog einmal Mutter und Kalb vorbei im Schlepptauch zwei männliche Eskort –Wale. Einer blies die ganze Zeit unter Wasser aus, machte dabei noch Töne – vermutlich um den zweiten Eskort eine Nachricht zukommen zu lassen. Vielleicht so was wie „ Verzieh dich, hier bin ich jetzt näher dran!“. Aber da sind wir wieder im weiten Feld der Interpretation unterwegs, denn genau wissen wir es nicht).

Buckelwal Mutter mit Kalb und Eskort Wal

Mutter und Kalb Paar mit Eskort

Contact
Und dann war dieser eine magische Tag – von dem Mana weiter oben schon berichtet hat – für den sich jeder Einsatz, Aufwand, jede Reise lohnt. Der Tag an dem vier Buckelwale nicht besseres zu tun hatten, als mit Menschen zu spielen. Unfassbar ist für mich ihr Interesse, ihr Wunsch nach Kontakt – und auch ihre Ausdauer!! Nach dem wir gefühlt schon Stunden mit ihnen in verschiedenen Situationen im Wasser waren, stehe ich seitlich hinten auf unserem Schiff, die Schwimmer kommen zurück zum Boot. Mein Blick geht zum Bug des Schiffes und wer streckt da seinen Kopf hoch und schaut mal, ob noch was geht. Genau, die White Lady, mit der wir schon vorher viel Spaß im Wasser hatten. Mir kommt es so vor, als wenn, sie schaut, ob noch was geht… „Können wir vielleicht noch etwas weiter spielen?“
Einmal lasse ich mich hinten am Boot ins Wasser gleiten und direkt unter mir steht die „White Lady“ senkrecht im Wasser, dreht sich und zeigt mir ihren schönen weißen Bauch und schaut mich interessiert an (Quieken durch den Schnorchel ließ sich nicht vermeiden ;-)). Ein mystischer Moment, in dem sich mir ihre ganze “Wesenhaftigkeit” offenbart. Wir sollten aufhören im Weltall nach weiteren intelligenten Spezies zu suchen!

Synchonizität

In einem anderen Moment steht ein Wal senkrecht zwischen den Kufen unseres Bootes und schaut sich alles genau an.

Buckelwale schauen sich Boot an

Die Wale “spyhoppen” = strecken den Kopf vor dem Bug aus dem Wasser

Auch an Bord geht das Spiel weiter: ich stehe am Bug außen am Rand und breite vor Freude über die schönen Momente meine Arme weit aus und unsere „White Lady“ liegt auf dem Rücken und macht dasselbe! Breitet ihre Flipper weit aus…

Sportliche Ewigkeit

Als Mana einmal sportlich ganz vorne an einem Seil zwischen den Kufen des Katamarans hängt, kommt ein Wal aufs Boot zu und scheint auschecken zu wollen, was oder wer da eigentlich aus- oder rumhängt… Dabei schaut er ganz genau und kommt ganz nah ran, so dass Mana diese Sekunden in ewiger Zeitlosigkeit erlebt.

Buckelwal unter Wasser

frontaler Kurs…

Flippige Quälgeister
Bei der Gelegenheit waren auch Rauzahndelfine unterwegs – auch in unserer Bugwelle. Die Buckelwale waren davon alles andere als begeistert… Die horizontale Bewegung mit ihrer Schwanzflosse sieht man selten, aber da kam diese zum Einsatz, gerade so als wollten sie lästige Fliegen abschütteln. Die Rauzahndelfine sichtlich unbeeindruckt, nicht umsonst werden sie auch die Clowns der Meere genannt, haben weiter ihr Ding gemacht – quirlig und quengelig.
Soo witzig ist, dass das geübte Auge in einer Videosequenz von Manas Aufnahmen sehen kann wie ein Rauzahndelfin die Bewegung der Buckelwale nachahmt…

Wassertanz
Was haben diese 4 (zuerst 6) Buckelwale wohl ursprünglich vorgehabt an diesem – für uns – magischen Tag? Dann kamen ein paar Menschen des Weges. Die Wale luden uns ein zum Wassertanz. Breiten ihre Flipper aus und drehen sich unter Wasser, zärtlich und wach. Jederzeit achtsam mit ihrer Umgebung. Interessiert an diesen Wesen in den komischen Anzügen und den Masken und Schnorcheln…

Schwimmen mit Walen - Wal unter Wasser

Zwei Spezies begegnen sich. Verbundenheit. Kontakt. Präsenz. Gegenseite Neugierde. Das Zusammentreffen lässt zumindest die eine Spezies auf dem Boot beglückt und außer sich vor Freude zurück. Wie haben wohl die Wale diese Begegnung erlebt? Eindeutig war, dass sie auch viel Spaß gehabt haben!

Te Mana o te Manoa heißt in der Landessprache: Der Geist des Meeres – für mich: der Geist IN den Meeren.

Susanne Braack

Weitere Impressionen zur Reise: Mit den Walen um die Welt

2019 ist es wieder soweit. Hier entlang…

Schwimmen mit Walen

Fotos: Christopher Swan,Mana Bauer, Susanne Braack