Sie können ganz schöne Nervensägen sein, die Delfin- und Walkälber, wenn sie anfangen die Meereswelt zu entdecken. Die erste Zeit nach der Geburt „kleben“ sie an der Seite der Mutter – doch schon bald wollen sie die Welt selbst entdecken. Wie alle Kinder müssen Ihnen dabei manchmal Grenzen aufgezeigt werden.

Doch zunächst einmal schwimmen immer in einem Abstand von 10 – 30 cm an ihrer Seite, denn dort werden sie durch die Seitenströmung mitgezogen und brauchen weniger einige Kraft. Die Wasserverdrängung des Muttertieres macht es möglich, dass das Kalb nur halb so viel Kraft wie sie beim Schwimmen braucht.

Mamas Fahrwasser ist einfach das Beste!

Die Buckelwal-Babys schwimmen oft auch auf der Mutter in Kopfhöhe. Auch hier werden sie mit gesogen. Beim Ausruhen und Kraft tanken, legen sie sich auch oft unter ihre große Walmama. Berührung ist nicht nur bei uns Menschen an Land essenziell. Wale und Delfine leben ein noch viel taktileres Leben als wir. Die süßen, kleinen Buckelwalkälber von 3 – 5 Metern Länge (!) verbringen die ersten Lebensmonate immer in der Nähe der Mama. Und sie verliert ihren Augenstern nie aus dem Blick. In den Kinderstuben der Buckelwale gibt es keine Nahrung für sie – sie hat also Zeit sich um ihren angebeteten Nachwuchs zu kümmern.

Mama hat Kohldampf

Anders bei Delfinen. Im Gegensatz zu den Walmüttern müssen die Delfine regelmäßig fressen und dafür auf die Jagd gehen. Das ist mit einem Delfin-Säugling nicht möglich. Also wer übernimmt das Babysitten in der Zeit, wenn Mama-Delfin sich den Bauch voll schlägt?

Verschiedene Varianten kommen da ins Spiel. Erstmal verbringen Mütter und Kälber diese Lebensphase mit anderen Mutter/Kalb Paaren aus dem guten Grund, dass die hungrigen Mamas auf Jagd gehen können, während sie ihr kostbares Kalb „in guten Händen“ anderer erfahrener Weibchen wissen.

Doch weiterhin sind es auch größere Geschwister (kommt uns das bekannt vor?) und Weibchen, die noch nicht geboren haben, die für den Babysitter Dienst eingeteilt werden. Denn für sie ist es wichtig zu üben und zu wissen, worauf es ankommt, wenn sie später selbst ein Kalb an der Seite haben werden.  Dabei geht es auch darum zu wissen, wie man ein Kalb, das „ausbüxt“ diszipliniert.

Großer Tümmler mit Kalb

Großer Tümmler mit Kalb

Zähne zeigen

Wie alle jungen Wilden, haben Delfinkälber besonders, wenn sie schon etwas älter sind, Flausen im Kopf, sind neugierig und wollen halt die Welt erkunden und eigene Wege gehen. Das kann auch schon mal etwas weh tun, wenn das Kalb nicht „spurt“. Wenn die Mutter mit dem Verhalten des kleinen Rackers nicht so zufrieden ist, er oder es sich zu weit entfernt, dann gibt es auch mal einen „Slap“ oder „Rake“, sprich einen kleinen Schlag oder es bekommt die Zähne der Mama zu spüren.Manchmal werden Sie auch auf den Boden gedrückt, wenn sie verstehen sollen, dass sich gerade falsch verhalten haben oder sich von der zu weit entfernt haben.

Rollenspiele

Interessant ist auch, dass Denise Herzing, die auf den Bahamas wilde Fleckendelfine erforscht, wahrgenommen hat, dass Mütter mit männlichen Kälbern mehr Zeit mit Müttern mit ebenso männlichen Nachkommen verbringen genauso wie Mütter mit weiblichen Kälbern. Definitiv haben die heranwachsenden unterschiedliches zu lernen in dem komplexen Gesellschaftssystem der Delfine: andere Aufgaben erwarten die verschiedenen Geschlechter.

Große Tümmler Kalb

Delfin Kalb (Großer Tümmler)

Disziplin und Belohnung

Belohnt für richtiges Verhalten oder einfach nur die Verbindung zu stärken sie mit einem „pec rub“. Einer Berührung der Brustflossen am Körper des anderen Delfins. Dies sehen wir auch häufig vom Boot aus vor La Gomera wie sich die Delfine berühren. Dies ist bei Müttern und Kälbern aber auch in der Kategorie „gut gemacht“ einzusortieren.

Strategie oder Altruismus

Noch etwas Spannendes durfte Denise Herzing beobachten, auch ältere Männchen investieren Zeit in die Aufzucht der Jungen, besonders der männlichen Nachkommenschaft. Tun sie dies nun um derer selbst willen oder um sich bei dem Weibchen beliebt zu machen, um zum Zuge zu kommen, wenn sie wieder fruchtbar sein wird?

Wir wissen viel aus dem Leben der Delfine und Wale – und SEHR viel noch nicht.

Susanne Braack

Siehe auch: www.mitdenwalenumdiewelt.de

Fotos: Samyo Hoheisel

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